Reflexionen zum Berliner OER-Fachgespräch

Am 09.11.2012 hat in Berlin ein von der Kultusministerkonferenz (KMK) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) initiiertes Fachgespräch zum Thema Open Educational Resources stattgefunden. Die eingeladenen OER-Experten hatten zur Vorbereitung einen Fragenkatalog beantwortet. Meine Antworten finden sich hier. Kommentare und Anregungen sind sehr willkommen! Leonhard Dobusch hat bereits eine gute Zusammenfassung der Anhörung erstellt, die man samt einer Liste der eingeladenen Experten auf werkstatt.bpb.de findet. Das Gespräch diente der Information von KMK und BMBF, wobei insbesondere mögliche Handlungsoptionen der öffentlichen Hand im OER-Bereich identifiziert und bewertet werden sollten. Dies ist sehr zu begrüßen, auch wenn mit zeitnahen Umsetzungsmaßnahmen nicht unbedingt zu rechnen ist, da das berliner Fachgespräch vermutlich erst den Einstieg in einen komplexen Meinungsfindungsprozess markiert. Viele der in Frage kommenden Maßnahmen fallen in die Zuständigkeit der Länder, die sich erst noch intensiv mit der Materie befassen müssen. Es ist also mit weiteren Frage- und Diskussionsrunden zu rechnen.

Die disziplinierte Diskussion war geprägt vom Interessengegensatz zwischen Bildungsverlagen und OER-Befürwortern und hielt sich inhaltlich nah an den zuvor ausgetauschten Positionen. Ein Diskussionsstrang hinsichtlich möglicher verlegerischer Geschäftsmodelle für OER hat noch in mir nachgewirkt, weshalb ich ihn hier nochmals aufgreifen und vertiefen möchte.

Anwesend war auch Dirk van Damme, der Leiter des Center for Educational Research and Innovation (CERI) der OECD, der den aktuellen Stand der internationalen OER-Entwicklung aus Sicht der OECD zusammenfasste. In seinem Vortrag führte van Damme aus, dass er die OER-Definition der Hewlett Foundation:

OER are teaching, learning, and research resources that reside in the public domain or have been released under an intellectual property license that permits their free use or re-purposing by others. Open educational resources include full courses, course materials, modules, textbooks, streaming videos, tests, software, and any other tools, materials, or techniques used to support access to knowledge.”

im Vergleich zur jüngeren Definition der UNESCO Paris-Deklaration:

Teaching, learning and research materials in any medium, digital or otherwise, that reside in the public domain or have been released under an open license that permits no-cost access, use, adaption and redistribution by others with no or limited restrictions.”

für vorzugswürdig hält, da bei letzterer die Bezugnahme auf die kostenlose Bereitstellung der Materialien (”no-cost access”) irreführend sei. Auch wenn mir die Unterschiede zwischen beiden Definitionen eher gradueller Natur zu sein scheinen, wies van Damme damit dennoch auf einen Punkt hin, der insbesondere für die Definition von Geschäftsmodellen von zentraler Bedeutung ist, dass nämlich OER-Materialien nicht zwangsläufig kostenfrei für den Nutzer sein müssen. Entscheidend ist einzig die offene Lizensierung der Inhalte. Auch wenn aufgrund dieser offenen Lizensierung die Weiterverbreitung von OER kostenfrei erfolgen kann, so kann doch die erstmalige Bereitstellung von OER-Materialien an eine Geldzahlung gebunden sein. Da die Weiterverbreitung in der Praxis den Regelfall darstellt, gerät die erstmalige Bereitstellung schnell aus dem Blick, obwohl sie für die Entwicklung von Geschäftsmodellen entscheidend ist.

Verdeutlichen wir dies an einem Beispiel: Ein offen lizensiertes Schulbuch, dass nach staatlicher Ausschreibung von einem Verlag hergestellt und vom Staat bezahlt wird, ist offensichtlich nicht kostenfrei hergestellt worden, auch wenn es für Schüler und andere Endnutzer kostenfrei ist. Genauso gut könnten in dem Beispiel anstelle des Staates die Herstellungskosten von den Nutzern selbst getragen werden: Stellen wir uns vor, dass die Herstellung eines Lehrbuches für Erstsemester durch eine extra dafür eingeführte Studiengebühr finanziert wird. In diesem Beispiel würden die direkten Nutzer des Buches für dessen Herstellung zahlen, trotzdem würde es sich bei entsprechender Lizensierung eindeutig um ein OER-Lehrbuch handeln. OER müssen also für den Nutzer nicht kostenfrei sein, allerdings sind die Finanzflüsse ganz andere als bisher, bezahlt wird nicht mehr individuell um eine Kopie eines ansonsten proprietär geschützten Inhalts zu erhalten, sondern kollektiv um die Bereitstellung eines Werkes zu ermöglichen, das -einmal veröffentlicht- für alle frei verfügbar ist.

In eine ähnliche Richtung hat wohl auch Till Kreutzer gedacht, der im Zuge des Gesprächs die aktuelle Situation im Schulbuchmarkt mit dem Musikmarkt verglich und dabei herausarbeitete, dass zwischen beiden Märkten ein entscheidender struktureller Unterschied besteht. Im Musikmarkt sind die Vertragspartner der Produzenten ausschließlich die Endnutzer. Würden hier Inhalte (z.B. Songs im MP3-Format) offen lizensiert, würde sich dadurch das abschöpfbare Marktvolumen reduzieren. So würden die Nutzer die Songs nicht mehr kaufen, wenn diese auch frei verfügbar wären, etwa wenn der erste Käufer seinen Dateien (legal, da cc-lizensiert!) auf seiner Webseite veröffentlicht. Anders im Schulbuchbereich. Hier sind nicht die Endkunden Vertragspartner der Verlage, sondern der Staat. Eine offene Lizensierung müsste deshalb nicht zwangsläufig zur Reduzierung des Markvolumens führen. Anders gesagt: Solange die gleichen Umsätze fließen, könnte es den Schulbuchverlagen eigentlich egal sein, dass die hergestellten Bücher aufgrund ihrer offenen Lizenzierung mehr Leser erreichen, als es bei konventioneller Veröffentlichung der Fall wäre.

Wollen konventionelle (Schulbuch-)Verlage OER-Geschäftmodelle entwickeln, so müssen sie an der offenen Lizensierung der herzustellenden Werke ansetzen, sprich in der Regel eine Creativ-Commoms-Lizenz verwenden. Dieser Schritt scheint vielen Verlagen schwer zu fallen, ist aber unvermeidbar. Auch wenn im OER-Bereich viele Fragen unbeantwortet sind, so ist sicher, dass echte OER´s offen lizensiert sind. Wer hier mit OER-Surrogaten arbeiten möchte, z.B. mit E-Bookportalen, die für die Studenten einer beziehenden Institution “ja auch frei verfügbar und damit offen” sind, zeigt nur, dass er das eigentliche Potential von OER noch nicht erkannt hat. Das Erfordernis einer freien Lizenz hat für die Geschäftsmodelle der Verlage weitreichende Folgen, da diese nicht mehr auf dem Eigentum an den Nutzungsrechten aufsetzen können. Dadurch wird dann u.a. eine Kalkulation der Kosten über mehrere Ausgaben hinweg und andere Formen der Querfinanzierung unmöglich.

Bisher konnten Bildungsverlage damit rechnen, dass mit jeder Neuauflagen ähnliche Umsätze wie bei der Erstauflage erzielt werden können, gleichzeitig aber geringere Kosten anfallen, da der Aufwand für die Überarbeitung in aller Regel geringer ist, als der Aufwand für die erstmalige Entwicklung. Wird ein Schulbuch also häufig neu aufgelegt und erfolgreich verkauft, so akkumulieren sich dadurch die Gewinne für die Verlage. Das wird für offen lizensierte Inhalte so nicht mehr funktionieren. Sieht man von zusätzlichen Einnahmequellen, etwa durch Print on demand ab, so werden OER-Geschäftsmodelle für Schulbuchverlage primär diensteistungsbasiert sein. Hatte mir David Klett auf dem OERCamp auf diese Argumentation hin noch empört entgegnet, dass ein solches Modell den freien Wettbewerb aushebeln würde und mir damit ebenso unterschwellig wie unberechtigt staatszentralistische Absichten unterstellt, so bestätigte in Berlin Bertram Salzmann vom UTB-Verlag, dass ein solches diestleistungsorientiertes Geschäftsmodell für die Verlage grundsätzlich durchaus attraktiv sein könnte, insbesondere da dadurch das unternehmerische Risiko vom Verlag auf den Staat übergehen würde.

Bisher mussten Verlage nämlich den Umstand in ihren Kalkulationen berücksichtigen, dass nicht jedes Buch ein Erfolg wird. Will ein Verlag nachhaltig wirtschaften, so muss er sicherstellen, dass die Erfolge die Misserfolge übersteigen. Anders gesagt: Ein Verlag finanziert durch seine Erfolge die mit hoher Wahrscheinlichkeit eintretenden (kommerziellen) Misserfolge. Gelingt ihm dies nicht, so gerät er in finanzielle Schwierigkeiten. Der Verlag trägt also das unternehmerische Risiko, während der Staat (bisher) aus den ihm angebotenen Büchern, für deren Herstellung die Verlage in Vorlage gegangen sind, “bequem” auswählen konnte. Würden nun in einer OER-Welt die Verlage ausschließlich für die von Ihnen erbrachten Dienstleistungen bezahlt, so würde das verlegerische Risiko auf den Staat übergehen. Der Verlag würde nämlich in jedem Fall für seine Arbeiten bezahlt, das Risiko, ob das Buch ein Erfolg wird oder nicht, läge damit beim Staat.

Im Zuge der Entwicklung eines verlegerischen OER-Geschäftsmodell kommt es damit zu einer bedeutsamen Problemverschiebung. Musste man bisher darüber nachdenken, wie Verlage mit OER-Materialien Umsätze erzeugen können, so scheint nach dem bisher Gesagten das Problem eher in der Frage zu liegen, wie sichergestellt werden kann, dass der Staat durch die Ausschreibung von OER-Büchern nicht in einem für ihn unangemessenen Maße unternehmerisches Risiko übernimmt, mit dessen Management er eventuell überfordert sein könnte. Das es ein solches Risiko geben wird, ist sehr wahrscheinlich, da man nicht davon ausgehen kann, dass jedes offen lizensierte Werk allein aufgrund seiner Lizensierung automatisch erfolgreich sein wird.

Ein Ansatz zur Beantwortung dieser Frage könnte eventuell darin liegen, die Dienstleistungsverträge zwischen Staat und Verlagen so zu gestalten, dass das damit auf den Staat übergehende Investitionsrisiko beherrschbarer wird. So könnte man vielleicht darüber nachdenken, den Herstellungsprozess in verschiedene Phasen (z.B. Konzeption, Redaktion, Herstellung) aufzuspalten, die unabhängig voneinander vergeben werden können. Nach jeder Phase könnte man eine Qualitätssicherung durchführen, etwa durch Rückkopplung mit Vertretern der Zielgruppe. Stellt sich dabei heraus, dass ein bestimmtes Werk von der Zielgruppe nicht angenommen wird, so kann man von den weiteren Schritten Abstand nehmen. Der Staat würde dadurch das auf ihn fallende Risiko immerhin reduzieren. Vermutlich wären auch andere Ansätze denkbar, hier ist also noch viel Raum für weitere kreative Problemlösungsprozesse.

Was aber bedeutet das alles für die Ausgangsfrage der Anhörung, nämlich welche Handlungsoptionen seitens der öffentlichen Hand bestehen? Ich würde denken, dass es in der augenblicklichen Lage für die etablierten Verlage tatsächlich nicht ohne Weiteres möglich ist, in die OER-Lehrbuchproduktion einzusteigen. Sie können nicht unaufgefordert ein OER-Lehrbuch herstellen und veröffentlichen und dann davon ausgehen, dass der Staat es nachträglich finanziert. Ist das Buch erst einmal in die Welt freigesetzt worden, so bestünde für den Staat, ebenso wie für den Musikkonsumenten aus dem Beispiel oben, kein Grund mehr dafür zu zahlen. Viel einfacher wäre es deshalb für die Verlage, wenn der Staat den ersten Schritt machen und die Erstellung von OER-Lehrbüchern ausschreiben würde. Ohne einen in Form von Ausschreibungen manifestierten ernsthaften Willen der öffentlichen Hand wird es zumindest für die etablierten Verlage schwierig werden in die Produktion von OER-Materialien einzusteigen. Für neue Verlage, die noch keinen großen Kostenapparat zu bedienen haben, mag dies anders aussehen.

Aber selbst wenn die Ausschreibung als nächster Schritt bei den Ländern liegt, so wären die Verlage vermutlich gut beraten, entsprechende Ausschreibungen einzufordern und proaktiv voranzutreiben. Sollte es nämlich nicht zeitnah zu einer solchen Umlenkung öffentlicher Schulbuchetats kommen, wie sie auch von der Enquetekommission Internet und digitale Gesellschaft erwogen wurde, so kann damit gerechnet werden, dass sich bald neue Akteure im OER-Lehrbuchbereich etablieren werden. Diese scheinen aktuell bereits in den Startlöchern zu stehen, wobei unterschiedliche Geschäftsmodelle verfolg werden. Wikimedia Deutschland beschäftigt sich schon seit längerer Zeit mit der Herstellung von “Offenen Schulbüchern” und wird seine Aktivitäten im Jahr 2013 intensivieren. Ebenfalls auf Freiwillige setzen sogenannte Booksprints, wie der jüngst in Finnland durchgeführte Oppikirjamaraton bei denen ein Team hochmotivierter Autoren versucht, kollaborativ in wenigen Tagen ein freies Schulbuch zu erstellen. Auch in Deutschland werden aktuell bereits Booksprints auf Twitter und anderen sozialen Netzwerken diskutiert und geplant. Einen etwas anderen Ansatz wählen schließlich Heiko Przyhodnik und Hans Wedening, die ihr Projekt Schulbuch-O-Mat mittels Crowdfunding finanzieren wollen.

Aber die Konkurrenz für die Verlage droht nicht nur aus dem (privaten) NGO-Bereich, sondern auch von öffentlichen Institutionen. So arbeitet z.B. die Deutsche Zentralbibliothek für Medizin mit ihrem Projekt Living Textbooks. an der Entwicklung einer Produktionsplattform für OER-Lehrbücher. Etablieren sich solche “alternativen” Geschäftsmodelle für Lehrbücher erst am Markt, so könnte es für die Schul- und Lehrbuchverlage zu Marktverlusten kommen, die später nicht wieder aufgeholt werden können. So gesehen läge es vor allem im Interesse der Verlage eigenständig auf die Ausschreibung von OER-Lehrbüchern zu drängen und sich dabei Gedanken darüber machen, wie das unternehmerische Risiko für den Staat auf ein akzeptables Maß gesenkt werden kann. Der Startschuss ist bereits gefallen, jetzt muss er nur noch gehört werden!

12 Kommentare
  1. Jöran sagte:

    Danke für die ausführlichen Überlegungen. Ich möchte einen entscheidenden Punkt aufgreifen, an dem Du imho irrst. Im staatlichen Schulsystem ist das unternehmerische Risiko des Staats genau Null, wenn er die Lehr-Lern-Materialien ausschreibt. Es gibt in Deinem Modell ja keine Konkurrenzprodukte, so dass die Endabnehmer auf das eine Produkt angewiesen sind, unabhängig von der Qualität.
    Vor diesem Hintergrund sehe ich vielmehr ein Risiko hinsichtlich der Qualität, das dann beim Endabnehmer (ob er ein “Kunde” – wie Du ihn nennst – ist, wäre dann auch zweifelhaft).
    Insofern geht es um die Frage der Qualitätssicherung im Prozess der Ausschreibung und Herstellung. Du schlägst dafür ja “Qualitätssicherungsrunden” vor. Das scheint mir auf den ersten Blick plausibel. Aber es verstärkt nur die Verstaatlichung. Für mich stellt sich die Frage, wie andernorts bei Ausschreibungen die mittel- bis langfristige Qualitätssicherung erfolgt. Hat jemand dazu Ahnung?

    • Danke für`s Mitdenken, Jöran! Inhaltlich scheinen wir mir nah beieinander zu liegen. Das “Qualitätsrisiko”, das du für den Endabnehmer siehst, scheint mir genau dem “unternehmerischen Risiko” zu entsprechen, das nach meinen Überlegungen von den Verlagen auf den Staat übergeht. Da bei Dienstleistungsverträgen der Verlag nicht für den Erfolg seiner Leistung (=der Annahme des Buches durch die Endnutzer) bezahlt wird, sondern lediglich für die (mangelfreie) Herstellung des Buches, geht das Risiko, dass das Buch vom Endnutzer aus irgendwelchen Gründen nicht akzeptiert wird auf den Staat über, der ggf. die Party bezahlt, aber das mit dem Mitteleinsatz verfolge Ziel (Ausstattung der Endnutzer mit verwendbaren Lehrbüchern) nicht erreicht.

      Bei den “Qualitätssicherungsrunden” habe ich mich am iterativen Vorgehen in der agilen Softwareentwicklung orientiert. Hier von “Verstaatlichung” zu sprechen erscheint mir missverständlich, aber du hast insofern Recht, dass mit einem solchen Verfahren Aufwand verbunden wäre und zwar sowohl für den Staat, als auch für die Verlage. Deinen Vorschlag nach vergleichbaren Sachverhalten zu suchen finde ich sehr gut und würde ich absolut unterstützen! Zum einen könnte man hier sehen, ob in anderen Ländern schon Lösungen speziell für den OER-Bereich entwickelt worden sind, zum anderen könnte man untersuchen, wie das in Deutschland mit Ausschreibungen in anderen Bereichen, z.B. der Softwareentwicklung gehandhabt wird.

  2. Hallo Jan,

    auch von mir vielen Dank für Deinen umfassenden Reflexionsbericht zur Anhörung und der Weiterentwicklungen. Wie Du schön beschrieben hast, müssen kommerzielle Verlage umdenken, bekommen doch aber viele Tipps und Anregungen, so dass die Hürde, etwas nicht zu tun eigentlich kaum noch existiert.

    Ebenso stimme ich Dir zu, wenn Du sagst dass öffentliche Institutionen nicht passiv zuschauen. Ich arbeite an der FernUniversität daran, OER zu implementieren, was – ähnlich den Verlagen – eine ziemliche Umstellung des Business Models bedeutet. Aber wie z.B. hier beschrieben wird (http://www.educause.edu/ero/article/harnessing-power-information-technology-open-business-models-higher-education) gibt es Ansatzpunkte, liebgewordenes neu- bzw. umzudenken, ohne gleich alle Tradition aufgeben zu müssen.

  3. Max sagte:

    Die Tatsache, ob es Konkurrenzprodukte gibt oder nicht, mag nicht vollständig irrelevant sein. Jedoch führt Konkurrenz nicht notwendigerweise dazu, dass sich das qualitativ beste Produkt durchsetzt.

    In der Wirtschaftsgeschichte gibt es beliebig viele Beispiele, dass sich das beste Produkt eben nicht durchsetzt. Wirtschaftlicher Erfolg eines Unternehmens erfordert keinesfalls, dass ein Unternehmen das qualitativ hochwertigste Produkt in einem Markt anbietet.

    Man könnte davon ausgehen, dass Marktteilnehmer nutzenoptimiert handeln – man darf diese Tatsache aber anzweifeln. Selbst Strömungen innerhalb der Wirtschaftswissenschaften zweifeln diese Grundannahme zwischenzeitlich an.

    Zudem stellt sich die Frage, ob und wie nicht öffentliche entwickelte Medien qualitätsgesichert sind.

    Eltern, die regelmäßig die Bücher kaufen dürften, die ihnen Schule oder Lehrer andienen, haben insofern also möglicherweise eine sehr schlichte Nutzenfunktion – in der Qualität mindestens nicht im Rahmen einer eigenen Einschätzung einfließt…

  4. Schöner Beitrag, der für mich wieder ein paar neue Aspekte beim Thema Schulbuch, Verlage und OER aufzeigte.

    Qualitätssicherung erfolgt letztlich immer bei den Endabnehmern. Die gegenwärtige Situation der “Qualitätskontrolle” durch das Zulassungsverfahren der Schulministerien zeigt, wie unzureichend dieses Verfahren sein kann. Es werden so beispielsweise auch Lehrwerke zugelassen, die sich dann am Markt nicht einmal durchsetzen können, da sie nicht den Qualitätsvorstellungen der Fachschaften entsprechen. Bei der Entscheidung für ein Lehrwerk durch eine Fachschaft, wird meist das kleinste Übel ausgewählt. Im Alltag stellt man dann die Qualität der angebotenen Materialien durch Auswahl im Lehrwerk und Ergänzung durch Fremd- und eigene Materialien sicher.

    Wenn ich als Lehrer bei der Einführung eins OER Lehrwerks dieses für meine Lerngruppe auswählen würde, könnte ich schnell herausfinden, ob es etwas taugt oder nicht. Erfüllt es meine Qualitätsansprüche, werde ich es weiterhin nutzen und im Folgejahr den nächsten Band ebenfalls nutzen. Kann das Lehrwerk meinen Qualitätsansprüchen nicht genügen, werde ich im folgenden Jahr ein anders wählen. Nutzer könnten so schnell über Erfolg oder Misserfolg eines Lehrwerkes entscheiden. Verlage wären so deutlich stärker der Qualität verpflichtet, müssten sich bemühen, die Gunst der Nutzer zu gewinnen und zu halten.

    In der Schule passiert es leider oft, dass eine Fachschaft sich für ein Lehrwerk entscheidet, weil der erste Band “so toll war.” Immer wieder können dann die Folgebände das Qualitätsniveau des ersten Bandes nicht weiter halten. Da das Buch dann aber in der Schule eingeführt wurde, bleiben viele Schulen dabei – reingefallen und gefangen. Zwar könnte man wechseln auf ein anderes Lehrwerk, doch das ist ein mühsamer Prozess und die alternativen Lehrwerke waren auch nicht wirklich das, was man suchte.

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